Berlin (dpa) – Das Bundeswirtschaftsministerium hat nach Medienberichten jahrzehntelang für deutsche Unternehmen einen Stand auf der weltgrößten Schusswaffenmesse in den USA organisiert und teilweise finanziert – und hört nun damit auf. «Es wird keinen erneuten Messestand des Bundes geben» auf der «Shot Show» in Las Vegas, teilte eine Ministeriumssprecherin dem Berliner «Tagesspiegel» mit.

Recherchen von «Tagesspiegel» und ZDF-«Magazin Royale»

Das Ministerium reagierte damit auf gemeinsame Recherchen der Zeitung und des ZDF-«Magazin Royale» zur Unterstützung des Bundes für deutsche Aussteller auf der Waffenmesse. Diese währte den Angaben des Ministeriums nach seit 1998 mit Ausnahme des Jahres 2021.

Die Auswahl der ausstellenden Unternehmen erfolgte den Recherchen zufolge über den Messeverband der deutschen Wirtschaft AUMA, das operative Geschäft vor Ort ging an einen externen Dienstleister, an den die Aussteller eine Teilnahmegebühr zahlen mussten. Die finale Abrechnung übernahmen nach «Tagesspiegel»-Informationen aber das Wirtschaftsministerium sowie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

45 Prozent der Schulmassaker mir Waffen europäischer Firmen

Dabei sollen die Aussteller nur eine Teilsumme an den Dienstleister überwiesen haben, das Ministerium wird mit dem Wort «Beteiligungspreis» zitiert. Den Rest beglichen die Bundesbehörden, wie die Zeitung unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertrauten Personen schreibt.

Die Recherche des Blattes und der ZDF-Sendung befasst sich vor allem mit den Geschäften europäischer Waffenhersteller auf dem US-Markt. Einer der größten Pistolenproduzenten der USA ist demnach die Firma Sig Sauer, deren Holding im münsterländischen Emsdetten ansässig ist und die dem US-Waffenlobbyverband NSSF 2020 nach eigenen Angaben eine halbe Million Dollar gespendet hat. Dem Bericht zufolge wurden bei 45 Prozent der Schulmassaker in den USA Waffen europäischer Firmen eingesetzt.

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