«Die Würde konnte man ihm nicht nehmen»: Gedenken an Nawalny

VonJudith Eichhorn

4. Juni 2024
In der Marienkirche in Berlin wurde an den verstorbenen Kremlkritiker Alexej Nawalny gedacht. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaIn der Marienkirche in Berlin wurde an den verstorbenen Kremlkritiker Alexej Nawalny gedacht. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Berlin (dpa) – Am 48. Geburtstag von Alexej Nawalny haben seine Witwe, Freunde und Unterstützer mit einem Gedenkgottesdienst in Berlin an den verstorbenen Kremlkritiker erinnert. Seine Witwe Julia Nawalnaja dankte den Versammelten in der Marienkirche in Berlin-Mitte mit einigen kurzen Worten auf Russisch, wollte sich aber weiter nicht äußern.

Nalwalny war über Jahre der prominenteste Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Immer wieder wurde er inhaftiert und mit Prozessen überzogen. 2020 überstand Nawalny eine Vergiftung mit dem Kampfstoff Nowitschok. Nach einer Behandlung in der Berliner Charité kehrte er 2021 zurück nach Russland und kam wieder ins Gefängnis. Am 16. Februar starb Nawalny unter ungeklärten Umständen in einem sibirischen Straflager.

Gottesdienst in Berliner Marienkirche

Der evangelische Bischof Christian Stäblein sagte in seiner Predigt in Berlin, man hätte gerne mit Nawalny dessen Geburtstag gefeiert und ihm ein Geburtstagslied gesungen. «Ich hoffe und vertraue, dass die himmlischen Chöre dies tun in diesem Moment.»

Der Bischof erinnerte an Nawalnys Unbeugsamkeit und Humor und seinen Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit in Russland – trotz Folter, Versuchen der Zersetzung und der Vergiftung. Jedem Menschen sei mit der Geburt eine Würde gegeben. «Diese Würde hat ihm niemand nehmen können», sagte Stäblein. Es bleibe das Zutrauen, dass Freiheit und Gerechtigkeit am Ende siegten.

Die Journalistin Sabine Adler erinnerte daran, wie Nawalny 2018 festgenommen wurde, weil er gegen Präsident Putin kandidieren wollte. Als Blogger habe er mit investigativen Recherchen Korruption in Putins Umfeld aufgedeckt. Nawalny habe sich auch mal verlaufen, etwa als er sich zu Nationalisten hingezogen gefühlt und die Annexion der zur Ukraine gehörenden Krim begrüßt habe. Doch habe er es geschafft, sich später zu korrigieren. Den russischen Krieg gegen die Ukraine habe er unmissverständlich verurteilt, sagte Adler.

Quellen: Mit Material der dpa.

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