Berlin/Hamburg (dpa) – Aufgrund mehrerer Tarifkonflikte kommt es auch diese Woche in Deutschland zu weiteren Warnstreiks im Verkehr. Zum Wochenstart legten Beschäftigte an den Flughäfen Berlin-Brandenburg (BER) sowie Hamburg die Arbeit nieder und sorgten so für Hunderte Flugausfälle. Am BER konnte am Montag kein Flieger mit Passagieren abheben – geplant waren eigentlich rund 220 Abflüge. Von den 240 geplanten Ankünften wurden rund 70 abgesagt. In Hamburg fielen mehr als 50 von 160 Abflügen aus. Zu den beiden Flughafen-Warnstreiks aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi – die für Mittwoch bereits die nächsten Ausstände im Verkehr ankündigte.

Dann sind etwa 40 Verkehrsbetriebe mit gut 5000 Beschäftigten betroffen, die mehrheitlich öffentlichen Nahverkehr oder Güterverkehr auf der Schiene anbieten. Geplant sind nach Gewerkschaftsangaben Aktionen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Hintergrund für die beiden Flughafen-Warnstreiks und jenen im öffentlichen Nahverkehr am Mittwoch sind drei verschiedene Tarifkonflikte.

Am Dienstag verhandeln zudem die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Deutsche Bahn in dritter Runde über einen neuen Tarifvertrag – diese Auseinandersetzung hatte den Warnstreik im Schienenverkehr am vergangenen Freitag ausgelöst. Da bei den Beratungen in Fulda kein Abschluss zu erwarten ist, sind auch hier weitere Warnstreiks in den nächsten Tagen möglich.

BER: Lage vor Ort ruhig

Am BER gingen am Montag Beschäftigte im Luftsicherheitsbereich, in der Fluggastkontrolle und der Personal- und Warenkontrolle in den Ausstand. Da die Fluggäste ohne diese Mitarbeiter nicht kontrolliert und dann in den Sicherheitsbereich gelassen werden können, hatte der Flughafen bereits kurz nach der Warnstreikankündigung am Samstag alle Starts von Passagierflügen abgesagt.

Am Montagmorgen war die Lage vor Ort ruhig. «Es ist ähnlich wie bei den letzten Malen: Der Warnstreik wurde breit über das Wochenende kommuniziert und die Info hat sehr viele erreicht», sagte ein Flughafensprecher. Am BER war es im laufenden Jahr bereits der dritte Warnstreik mit deutlichen Auswirkungen auf den Luftverkehr. Da Starts ohne Passagiere grundsätzlich möglich waren, entschieden sich einige Fluggesellschaften dafür, Menschen nach Berlin zu bringen und dann leer weiterzufliegen. Es seien einige solcher Leerflüge angemeldet worden, sagte der Flughafensprecher.

Hamburg: Warnstreik deutlich kurzfristiger angekündigt

Vom deutlich kurzfristiger angekündigten Warnstreik in Hamburg waren unter anderem Passagiere betroffen, die nach Zürich, Frankfurt, Brüssel, Helsinki oder Malaga abheben wollten. Zum Ausstand aufgerufen waren die rund 300 Beschäftigten des Abfertigungsdienstleisters Aviation Handling Services Hamburg GmbH (AHS), die unter anderem für Check-in und Boarding zuständig sind. Rote Plakate im Flughafen mit der Aufschrift «Warnstreik» informierten die Passagiere über die Tarif-Forderungen. AHS betreut verschiedene Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines. Die Beschäftigten sollten sich am Montag ursprünglich um 84 Abflüge kümmern.

Auch der Hamburger Flughafen war in diesem Jahr bereits mehrfach Ziel von Warnstreiks. Zuletzt hatten am Donnerstag und Freitag Warnstreiks der Sicherheitskontrolleure den Betrieb weitestgehend lahmgelegt – also jene Gruppe von Beschäftigten, die am Montag am BER streikten.

Verdi verhandelt seit geraumer Zeit für diese Menschen über Zuschläge für ungünstige Arbeitszeiten etwa am Wochenende und Regeln zur Entlohnung von Überstunden. Die nächsten Gespräche mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen sind für Donnerstag und Freitag angesetzt. Verdi drohte bereits: Sollte der BDLS kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen und «weiter auf Zeit» spielen, seien «weitere Streiks im Luftverkehr im Mai und an Pfingsten» möglich. Der Warnstreik in Hamburg am Montag steht nicht im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen.

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