Belgrad (dpa) – Ein 13-Jähriger hat in seiner eigenen Schule in Belgrad am Mittwochmorgen ein Blutbad angerichtet. Er ging in seine eigene Klasse und schoss mit einer Handfeuerwaffe auf Mitschüler und weiteres Personal. Dabei tötete er neun Menschen – acht Schüler sowie einen Wachmann, wie Veselin Milic, der Direktor der Belgrader Polizei, bei einer Pressekonferenz in der serbischen Hauptstadt mitteilte. Sechs weitere Schüler und eine Lehrerin erlitten Verletzungen. Das Land ist im Schock.

Der Teenager rief nach der Tat selbst die Polizei an, Beamte nahmen ihn fest. Er sei im Juli 2009 geboren, sagte Milic auf Nachfrage von Reportern. Damit ist er nach serbischer Gesetzeslage nicht strafmündig und kann nicht vor Gericht gestellt werden. Die Polizei nahm im Laufe des Tages seine Eltern fest. Der Junge wurde nach seiner Festnahme in eine Klinik für Neuropsychiatrie gebracht.

Dreitägige Staatstrauer angeordnet

«Dies ist einer der schwersten Tage in der modernen serbischen Geschichte», sagte Staatspräsident Aleksandar Vucic am Abend vor der Presse. Serbien sei in der Trauer vereint. Die Regierung hatte bereits Stunden zuvor eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Der Junge habe die Tat über einen langen Zeitraum hinweg geplant, führte Polizeidirektor Milic weiter aus. Die zwei Pistolen, die er bei sich hatte, gehörten dem Vater. Darüber hinaus habe er vier Brandsätze vorbereitet gehabt, die er aber nicht zum Einsatz brachte.

Auf dem Schreibtisch zu Hause hätten die Polizeibeamten eine Skizze über die baulichen Gegebenheiten der Schule gefunden sowie eine Liste mit den Namen potenzieller Opfer. «Die Skizze sieht in etwa aus wie etwas aus einem Video-Spiel oder einem Horrorfilm», sagte Milic. Die Motive blieben zunächst unklar.

Schießübungen mit dem Vater

Der Vater des 13-Jährigen besaß demnach einen gültigen Waffenschein. Die Polizei verdächtigt ihn, sie nicht vorschriftsgemäß verwahrt zu haben. Der Junge hätte keinen Zugang zu ihnen bekommen dürfen. Wie Präsident Vucic in seiner Pressekonferenz darlegte, handelt es sich bei dem Vater um einen «vorbildlichen Arzt». Zugleich drückte er seine Verwunderung darüber aus, dass der Vater mit dem Sohn zu einem Schießstand gegangen sei und mit ihm das Schießen geübt habe.

Wie in anderen Balkanländern sind auch in Serbien Gewalttaten im Alltag nicht selten. Blutige Abrechnungen unter kriminellen Banden sowie innerfamiliäre Morde an Frauen und Kindern sind relativ häufig. Dass aber ein Kind solche eine Tat verübt, ist neu in Serbien.

Die Bluttat löste auch international Reaktionen des Mitgefühls und der Betroffenheit aus. «Wir möchten den Familien und Angehörigen der Opfer unser tiefes Beileid aussprechen», sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell in Brüssel.

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