Rom (dpa) – Immer mehr Menschen auf der Welt leiden teils dramatisch an Hunger. Wie aus einer Analyse internationaler Organisationen hervorgeht, erlebte im vorigen Jahr mehr als eine Viertelmilliarde Personen akuten Hunger oder war gar in humanitären Hungersnöten. Im Vergleich zu 2021 stieg die Zahl von 193 Millionen auf 258 Millionen Menschen, die in die drei höchsten Stufen von Ernährungsunsicherheit eingeordnet werden. Das gaben am Mittwoch unter anderem die EU, die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sowie das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen bekannt.

Als Hauptgründe für die vielen Ernährungskrisen nannte der Bericht wie schon in den jüngsten Jahren Konflikte sowie die wirtschaftlichen Folgen etwa von Corona und des Ukraine-Krieges. «Mehr als eine Viertelmilliarde Menschen ist heute mit akutem Hunger konfrontiert, einige sind kurz vor dem Verhungern», schrieb UN-Generalsekretär António Guterres im Vorwort des Berichts. «Das ist unverzeihlich.»

«Die jüngsten Zahlen zur weltweiten akuten Ernährungsunsicherheit zeichnen ein sehr besorgniserregendes Bild», sagte Rein Paulsen, der Direktor für Notfälle und Widerstandsfähigkeit bei der FAO. Bei den 258 Millionen Menschen gehe es um «um gefährdete Haushalte, deren Leben und Existenzgrundlage bedroht ist», unterstrich Paulsen.

Hunger-Notlagen und Ernährungskrisen werden mit einer fünfstufigen, sogenannten IPC-Skala gemessen. Akuter Hunger ist Stufe 3. Von Humanitären Notfällen (Stufe 4) waren 2022 dem Bericht zufolge rund 35 Millionen Menschen betroffen. Bei etwa 376.000 Menschen sprechen die Experten von einer Hungersnot, der höchsten Stufe 5 – allerdings dürfte die reale Zahl der Betroffenen deutlich höher sein, etwa weil aus Äthiopien keine Daten übermittelt wurden. Dort litten Schätzungen zufolge Ende 2021 mehr als 400.000 Menschen an einer Hungersnot.

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