Itzehoe (dpa) – Ibrahim A. muss sich wegen der Messerattacke von Brokstedt wegen Mordes und versuchten Mordes verantworten. Gut drei Monate nach der Tat in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe Anklage gegen ihn erhoben. Der zum Tatzeitpunkt 33 Jahre alte Palästinenser soll am 25. Januar Fahrgäste mit einem Messer angegriffen und zwei junge Menschen getötet haben. Fünf weitere wurden verletzt.

«Die Anklage wirft dem Angeschuldigten, der sich in Untersuchungshaft befindet, im Wesentlichen zwei Fälle des Mordes sowie vier Fälle des versuchten Mordes vor und legt dabei jeweils die Mordmerkmale der niedrigen Beweggründe und der Heimtücke zugrunde», teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, am Donnerstag mit.

Bei allen Opfern handelte es sich um Fahrgäste des Regionalzuges, die sich nach Müller-Rakows Angaben in einer Alltagssituation befanden und somit keinerlei Angriff erwarten mussten. «Die Tathandlungen des Angeschuldigten, der das Messer zuvor in einem Supermarkt entwendet haben soll, resultierten aus Sicht der Anklage aus Verärgerung über seine aus vielen Gründen ungeklärte persönliche Situation.»

Tat löste bundesweit Entsetzen aus

Die Tat in Schleswig-Holstein hatte bundesweit Entsetzen und Trauer ausgelöst. Die Todesopfer sind eine 17-Jährige und ein 19-Jähriger, die gemeinsam in Neumünster die Berufsschule besucht hatten und seit kurzem ein Paar waren. Mehr als 300 Freunde, Helfer, Kirchenvertreter und Politiker trauerten bei einem Gedenkgottesdienst in Neumünster um die Opfer. Unter anderen kamen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Ibrahim A., der die Tat nach Angaben seines Anwalts nicht abstreitet, ist ein mehrfach kriminell in Erscheinung getretener Palästinenser. Der Mann war erst wenige Tage vor der tödlichen Messerattacke aus einer Untersuchungshaft entlassen worden, die er in Hamburg wegen einer anderen Straftat abgesessen hatte.

Der Fall beschäftigte mehrere Landesparlamente, weil es Mängel beim Austausch von wichtigen Informationen zwischen den Behörden gegeben hatte. Die Aufarbeitung des Falls erbrachte klare Mängel im Informationsaustausch zwischen Behörden in Hamburg, Kiel und Nordrhein-Westfalen, wo Ibrahim A. jeweils gelebt und auch Straftaten begangen hatte.

Mehrfach aggressiv aufgefallen

Ibrahim A. soll sich wenige Monate vor seiner Entlassung aus dem Hamburger Gefängnis mit dem Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, verglichen haben. In der Untersuchungshaft fiel der Mann mehrfach wegen aggressiven Verhaltens auf. Nach einem Bericht der Gewerkschaft GdP soll der 33-Jährige in Haft regelmäßig Bedienstete bedroht und beschimpft haben.

Das Land Schleswig-Holstein fordert mit drei Initiativen Konsequenzen aus dem Fall. Gemeinsam mit Baden-Württemberg setzt sich die Landesregierung auf der Justizministerkonferenz Ende Mai in Berlin für eine bessere Datengrundlage zum Komplex Messerangriffe ein. In zwei Anträgen gemeinsam mit Hamburg geht es unter anderem um den Informationsaustausch zwischen den Behörden.

Das Landgericht Itzehoe muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden und einen Termin für die Hauptverhandlung festlegen.

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