Skandinavische Medien haben in einer gemeinsamen Dokumentation namens „Schattenkrieg“ berichtet, dass sich mehrere russische Marineschiffe in der Nähe der Orte befunden haben, an denen die Nord-Stream-Leitungen in der Ostsee explodierten. Die Dokumentation wurde von den nordischen Rundfunkanstalten SVT aus Schweden, NRK aus Norwegen, DR aus Dänemark und Yle aus Finnland am Mittwoch veröffentlicht.

Laut den Investigativjournalisten sollen sich diese Flottenschiffe in den Monaten und Tagen vor den Detonationen in den Gebieten aufgehalten haben, in denen es später zu den Explosionen kam. Dabei sollen die Schiffe ihre Sender abgestellt haben, um unter dem Radar zu fahren. Ein Flottenschiff mit abgestelltem Sender und der Möglichkeit zu Unterwassereinsätzen, der Schlepper „SB-123“, soll fünf Tage vor den Detonationen an den Explosionsorten gewesen sein, während zwei weitere Schiffe, die „Sibirjakow“ und ein nicht identifiziertes Schiff, bereits im Juni dort stationiert waren.

Die Investigativjournalisten beriefen sich auf Radiokommunikation zwischen den Schiffen und der russischen Flottenbasis, die ein früherer Geheimdienstmitarbeiter der britischen Marine abgehört hatte, sowie auf Satellitenbilder. Diese Informationen legen nahe, dass die russischen Schiffe in der Nähe der späteren Explosionsorte aktiv waren.

Ein Militäranalytiker der Universität von Kopenhagen, Jens Wenzel Kristoffersen, sagte den Sendern, dass diese Informationen darauf hindeuten, dass Operationen unter der Wasseroberfläche stattgefunden haben. Dies könnte bedeuten, dass die russischen Schiffe möglicherweise Sabotageakte an den Pipelines durchgeführt haben.

Das dänische Militär hatte zuvor bestätigt, dass ein Patrouillenschiff am 22. September 2022 in der Nähe der Explosionsorte insgesamt 26 Bilder von dem russischen Spezialschiff „SS-750“ gemacht hatte. Das Schiff verfügt über ein Mini-U-Boot mit Greifarmen. Vier Tage später kam es zu mehreren Explosionen an den Pipelines, über die Gas von Russland nach Deutschland geliefert wurde. Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um Sabotageakte handelt. Wer dafür verantwortlich ist, bleibt jedoch unklar.

Ende März hatte „t-online“ unter Berufung auf Informationen aus Sicherheitskreisen und öffentlich einsehbare Daten berichtet, dass russische Militärschiffe wenige Tage vor den Anschlägen auf die Pipelines mutmaßlich an den Tatorten operiert hatten, darunter auch die „SS-750“ und der nun genannte Schlepper „SB-123“. Die Ermittlungen zu den Sabotageakten laufen derzeit in Deutschland, Dänemark und Schweden.

(mit Material von dpa)

Foto: -/Danish Defence Command/dpa

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